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(von links): Max Schad, Stefan Betz, Dr. Katja Leikert, Jannik Marquart und Pascal Reddig. Foto © privat

Katja Leikert und Max Schad im Gespräch mit dem DRK-Kreisverband Hanau

(Hanau/pm) - Ein Blick in die Zeitung genügt: Tätliche Übergriffe und Beschimpfungen sind nicht nur für Polizisten, sondern auch für viele Rettungskräfte ein unschöner Teil ihres Alltags. Hinzu kommen immer mehr „Fehleinsätze“, etwa wenn die Rettungskräfte wegen eines leichten grippalen Infekts oder einem eingewachsenen Fingernagel überflüssigerweise zu Hilfe gerufen werden und unverrichteter Dinge wieder wegfahren müssen. In einem Gespräch mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Katja Leikert, dem Landtagsabgeordneten Max Schad sowie Jannik Marquart und Pascal Reddig als Vertreter der JU Main-Kinzig berichteten DRK-Kreisgeschäftsführer Stefan Betz und Marc Fischer (Bereichsleiter Zentrale Dienstplanung des DRK) in Hanau von ihren Erfahrungen.

Rund 31.000 Mal rücken die Rettungsfahrzeuge des DRK jährlich aus. Nicht immer kehren die Mitarbeiter unversehrt wieder. Die Hemmschwelle für Angriffe sei in den vergangenen Jahren gesunken, so Betz und Fischer. Oft seien Alkohol und Drogen im Spiel; auch der Einfluss von Medikamenten sei nicht zu unterschätzen. Ganz allgemein sei das gesellschaftliche Klima rauer geworden. 

Auf Seiten der Politik beobachtet man diese Entwicklung seit längerer Zeit mit wachsender Sorge. Von einer Gesetzesverschärfung vor zwei Jahren erhofft man sich abschreckende Wirkung – bislang mit durchwachsenem Erfolg. „Offenbar hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass der Gesetzgeber das Strafmaß für Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte empfindlich heraufgesetzt hat. Bei einer Verurteilung drohen nicht unter drei Monate und maximal bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe“, erläuterte Katja Leikert. Auch von Seiten des DRK Hanau werde jeder Vorfall zur Anzeige gebracht, bestätigte Stefan Betz.

Das Thema Kommunikation nehme mittlerweile in der Notfallsanitäter-Ausbildung breiten Raum ein, ergänzte Marc Fischer. So soll den Rettern von Beginn an das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben werden, um im Ernstfall deeskalierend auf den oder die Angreifer einwirken zu können. Dennoch befürchtet DRK-Geschäftsführer Betz, dass sich die Schlagzeilen negativ auf das Berufsbild auswirken könnten – in einem ohnehin umkämpften Arbeitsmarkt, in dem allerorten intensiv um Fachkräfte gebuhlt wird, ein verheerendes Signal.

„Es ist an uns allen, für ein gesellschaftliches Klima zu sorgen, in dem Hass und Gewalt keinen Platz haben. Entsprechende Vorfälle müssen konsequent geahndet und hart bestraft werden“, betonte Max Schad. „Wer Leben rettet, verdient unseren besonderen Schutz.“ Um das System insgesamt – vor allen Dingen personell - zu entlasten, müssten die Bürgerinnen und Bürger zudem dafür sensibilisiert werden, wann ein Anruf beim Rettungsdienst tatsächlich notwendig ist und wann ein einfacher Gang zum Hausarzt ausreicht. 

Und nicht zuletzt müsse man versuchen, die Zahl der unnötigen Einsätze durch eine bessere Koordination mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst zu verringern. Dafür wollen sich Schad und Leikert auf Kreisebene einsetzen.