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Weiter mit Hessenforst, ja oder nein?

(Bruchköbel/jgd) – Der Bruchköbeler Magistrat unter Bürgermeister Maibach will die Bewirtschaftung des Bruchköbeler Waldes, wie in den Jahren zuvor, erneut an den hessischen Landesbetrieb „Hessenforst“ vergeben. Um diesen Wunsch entstand in der letzten Sitzung der Stadtverordneten ein heftiger Streit. Vor allem die Grünen protestierten vehement dagegen. Deren Fraktionssprecher Uwe Ringel äußerte sich regelrecht erbittert über das Vorhaben. Die Grünen plädieren dafür, den Bruchköbeler Stadtwald in Zukunft als Natur- und Erholungswald zu belassen, und die Holzgewinnung aus dem Wald zu beenden.

Das Ende des Streits ist offen. Das Thema wurde zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Stadtentwicklung verschoben.

Die Grünen pochen dabei auf einen Stadtverordnetenbeschluss aus dem Jahr 2015. Das Stadtparlament hatte seinerzeit einstimmig beschlossen, dass die Waldbewirtschaftung durch Hessenforst beendet werden soll. Im Kern waren also damals alle Mitglieder des damaligen Parlamentes dafür, den Wald in einen Naturwald zu verwandeln. Der Wald müsse nicht der Holzproduktion dienen, indem immer wieder mit Baggern und Motorsägen Bäume entnommen werden, lautete die gemeinsame Überzeugung.

Den Naturwald-Beschluss von 2015 möchte  der Magistrat nun wieder aufheben lassen. Dafür soll die Zusammenarbeit mit Hessenforst auf neuer Grundlage weitergeführt werden. Das Forstamt Wolfgang hat dafür eine neue Planung vorgelegt, wie es in Zukunft im Bruchköbeler Wald weitergehen soll – der BK hatte über das Papier bereits vor drei Wochen berichtet. Hessen-Forst hat insofern ein Interesse, weiter im Bruchköbeler Wald wirtschaften zu dürfen. Aus den Erlösen durch den Holzverkauf soll sich wiederum die Pflege des Waldes finanzieren. Darüber hinaus gibt es Zugeständnisse, bestimmte Bereiche des Waldes im Sinne eines Naturwaldes sich selbst zu überlassen.

Ökopunkte als Guthaben für die Stadt
An der Tatsache, dass der Bürgermeister die Grünen vorab zu einem Gespräch geladen hatte, zeigt sich, dass man sich im Magistrat der Brisanz der Thematik bewusst ist. Grünen-Sprecher Uwe Ringel fuhr in der Sitzung dennoch schweres verbales Geschütz auf. Dass der Magistrat jetzt eine neue Vorlage über erneute künftige Zusammenarbeit mit Hessenforst überhaupt vorlege, sei ein „Affront gegenüber dem Parlament“, so Ringel. Denn das Parlament habe das genaue Gegenteil beschlossen. Die Behauptung, dass der Wald nicht ohne Hessenforst zu pflegen sei, nannte Ringel ein „Dogma“. Die Pflege eines naturbelassenen Waldes erfordere nicht viel Aufwand und könne von der Stadt geleistet werden. Der geringe Erlös, den die Hessenforst- Bewirtschaftung bringe, falle für die Stadt kaum ins Gewicht. Würde man den Wald aber in einen Naturwald verwandeln, verdiene sich die Stadt „Ökopunkte“. Die „Ökopunkte“ ersparen der Stadt wiederum an anderer Stelle, bei Baumaßnahmen etwa, die Kosten für Ausgleichsmaßnahmen. Ein Naturwald stellt insofern ein „Guthabenkonto“ mit vorab geleisteten Naturschutzmaßnahmen dar.

Waldpflege als Dienstleistung
Bürgermeister Maibach hielt dagegen. Er bestritt zunächst, dass der 2015er Beschluss ihm aufgetragen hatte, den Vertrag mit Hessenforst zu kündigen. Diese Wortwahl sei verfehlt, weil der Vertrag mit Hessenforst einfach ausgelaufen sei. Einer Kündigung habe es nicht bedurft. An Hessenforst heranzutreten und von dort einen Planungsvorschlag vorlegen zu lassen, sei ihm erlaubt. Maibach machte keinen Hehl daraus, dass er die erneute Zusammenarbeit mit Hessenforst begrüßen würde. Denn Hessenforst, als Betrieb des Landes Hessen, liefere eine neue, gesetzlich vorgeschriebene Bestandsaufnahme des Waldes. Außerdem sei durch die Holzwirtschaft für laufende Einnahmen gesorgt. Der Bürgermeister kalkuliert dabei vermutlich so: Übernimmt Hessenforst wieder die Bewirtschaftung des Waldes, bleibt die Waldpflege weitgehend aus der Bruchköbeler Haushaltsrechnung draussen. Personal, Verwaltungskosten, Maschinen- und Materialaufwand wären dann weiterhin Sache von Hessenforst.

Darüber hinaus wurde deutlich, dass Maibach die Sicherung der Waldwege bei Hessenforst belassen will. Die Stadt bliebe dann von dieser Verantwortung darüber befreit. SPD-Sprecher Peter Ließmann sagte, dass das Thema komplex zu bewerten sei. Er schlug vor, das Thema eingehender im Ausschuss für Stadtentwicklung zu beraten. Dort könne man dann auch die nötigen Fachleute hinzuladen. Danach könne entschieden werden. CDU-Sprecher Thomas Sliwka stimmte dem zu, und mit der Mehrheit von CDU und SPD wurde das Thema zur weiteren Beratung im Ausschuss vertagt.