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Beispiel für eine der im Bedarfsplan gezeigten Einsatzstatistiken. Foto © privat

Neuer Entwicklungsplan für Feuerwehren

(Bruchköbel/jgd) – Für die Stadt Bruchköbel liegt nun die neue „Bedarfs- und Entwicklungsplanung für den Brandschutz und die Allgemeine Hilfe in der Stadt Bruchköbel“ vor. Das über 150 Seiten starke Werk bildet ab jetzt die maßgebliche Grundlage für die Festlegung der Größe und der notwendigen Ausstattung der hiesigen Feuerwehren. Die Notwendigkeiten werden in dem Werk auf aktuelle Füße gestellt. Die Strukturen der Feuerwehren sind nämlich in den Kommunen in der Regel historisch gewachsen. Oftmals wird dann über die Jahre eine kontinuierliche Anpassung an veränderte Anforderungen versäumt.

Deswegen wurden die Städte und Gemeinden mit dem Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz dazu verpflichtet, in Abstimmung mit den Landkreisen ihre Entwicklungspläne für den Brandschutz aufzustellen. Diese Pläne müssen sie in der Folge dann auch pflegen und aktuell halten. Ein solcher Bedarfs- und Entwicklungsplan hat, einmal aufgestellt, eine formale Gültigkeit von zehn Jahren. Es lässt sich daraus ablesen, welche Ausrüstung -vom Maschinenpark bis zur Mannschaftsstärke- und welche technische Ausrüstung bereit stehen muss.

Umfangreiche Daten gesammelt
Für die Feuerwehr Bruchköbel gilt dabei: Sie übernimmt im Rahmen von Hoheitlichen Aufgaben den Schutz, die Sicherheit und die allgemeine Hilfe im Stadtgebiet. Woran also bemisst sich der Bedarf der Feuerwehren, um diesem Auftrag gerecht zu werden? Dazu wurden im Rahmen einer Studie viele Daten der Stadt erhoben, die in dem Bedarfsplan dokumentiert sind. Es gibt darin eine umfangreiche und detaillierte Analyse der Verhältnisse, in Form von Tabellen und Karten. Es wurden Daten zur Flächennutzung, zur Struktur und zur Art der Bebauung in allen Stadttteilen festgestellt. Es sind die Verkehrswege beschrieben, und die Gebäude und Bereiche mit überdurchschnitllichem Gefährdungspotential. Welche besonders gefahrenträchtige Produktionsbereiche oder Lager gibt es im Stadtgebiet? Wie ist die Löschwasserversorgung für den Brandfall organisiert? Wo sind Hydranten aufgestellt? Zahlreiche Karten zeigen etwa die genannten Versorgungsstellen, oder etwa auch die Zugänge zu Gewässern, aus denen im Falle eines Brandes schnell Wasser herbeigepumpt werden kann. Genau dies übte zum Beispiel jüngst der Feuerwehrnachwuchs im Rahmen einer Wochenend-Einsatzübung, als man das Wasser für einen simulierten Brandfall im Rathaus flugs aus dem nahegelegenen Krebsbach entnahm.

Eine Stadt in der Risikobewertung
Im Grunde wurde also eine umfangreiche Risikoanalyse vorgenommen - mit dem Ziel, Hilfsfristen und Eintreffzeiten für die Feuerwehr zu klären. Dabei traten auch Schwachstellen zutage. So findet sich etwa in dem Werk eine Karte von Bauten mit überduchschnittlichem Gefährdungspotential. Diese zeigt dem Leser: Es sind nicht wenige Objekte, die so klassifiziert sind, und die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. Zum Beispiel zählen dazu viele mehrstöckige Häuser, aus denen naturgemäß die Flucht im Falle eines Feuers über Treppen oder gar Drehleitern erfolgen muss, also für die Betroffenen jedenfalls stark behindert sein kann. Runde 400 Bruchköbeler Wohneinheiten sind in dieser Weise registriert. Hinzu kommen auch Gebäude und Flächen, wo zu bestimmten Tageszeiten hohe Menschenkonzentrationen zu erwarten sind: Kindergärten und Schulen gehören natürlich dazu, ebenso etwa die Mehrzweckhallen im Stadtgebiet. Und weiterhin sind auch viele Standorte von Unternehmen mit Lagergebäuden oder anderweitig gefahrengeneigten Produktionsbereichen registriert worden.

Im konkreten Einsatzfall kann also bei Bekanntwerden eines Brandortes schnell eingeschätzt werden, mit welcher Besonderheit, mit welchem Risiko die Einsatzkräfte zu rechnen haben, wenn sie unter dem bekannten Klang der Feuerwehrsirene zum Einsatzort jagen.

Schnelle Hilfe als Ziel
Die Planung definiert für den Feuerwehreinsatz auch klare Zielsetzungen, wobei es ins Detail geht: Das „qualitative“ Ziel im Falle eines kritischen Brandes lautet, dass die Feuerwehr „innerhalb von 10 Minuten nach der Alarmierung mit neun Feuerwehrleuten und nach weiteren 5 Minuten mit weiteren

sieben Feuerwehrleuten am Einsatzort ist“, heisst es dazu. Über alle Einsätze des Jahres betrachtet, will man in wenigstens 95 % der Fälle in dieser Weise die Hilfe leisten können. Aus der konkreten Einsatzstatistik der Bruchköbeler Feuerwehren lesen die Verfasser heraus, dass die Ausrückzeit von 5 Minuten nicht immer gehalten werden konnte. Speziell für Butterstadt und Oberissigheim wird eine Verbesserung der Situation angemahnt. Der „Knackpunkt“ hierbei liegt in der Verfügbarkeit der Einsatzkräfte: „Durch die Arbeitsplätze vieler Feuerwehrkameradinnen / Feuerwehrkameraden außerhalb von Bruchköbel ist am Tage die Alarmierung von ausreichenden Einsatzkräften nicht gewährleistet“, so die Studie. In der Vergangenheit hätten entsprechende Einsätze gezeigt, dass untertags nur durch die Alarmierung mehrerer Stadtteile Einsatzkräfte in ausreichender Anzahl an die Einsatzstelle gebracht werden konnten. Ein Grund für den personellen Engpass ist, dass viele aktive Feuerwehrleute ihren Arbeitsplatz außerhalb Bruchköbels haben.  Als Träger der Feuerwehr könne die Stadt Bruchköbel aus den Reihen ihrer eigenen Verwaltung selbst derzeit nur sechs ausgebildete Kameraden zur Verfügung stellen, so die Studie. Daher schlagen die Verfasser vor, bei Neueinstellungen von Mitarbeitern der Stadt Bruchköbel Personen mit Zugehörigkeit zu einer Feuerwehr zu bevorzugen – insbesondere solche, die unzählig viele Stunden ihrer Freizeit für Sonderaufgaben bei der Feuerwehr ehrenamtlich leisten wie, z.B. Gerätewarte oder Wehrführer.

Verbesserungsbedarf
Die Studie stellt auch einigen Handlungsbedarf an den Gebäuden der Feuerwehr selbst fest: So sei erstaunlicherweise keines der Feuerwehrhäuser über eine Brandmeldeanlage gesichert. Brände in

verschiedenen Feuerwehrhäusern der vergangenen Jahre hätten anderenorts gezeigt, wie hierbei ein erheblicher Sachschaden an Gebäude, Fahrzeugen und Geräten entstehen kann und die Feuerwehr selbst dann nicht mehr einsatzbereit ist. Und speziell das Feuerwehrhaus in Butterstadt, das in seiner Funktion zugleich als kleines Bürgerhaus genutzt wird, entspricht in mehrfacher Hinsicht nicht mehr den Anforderungen an einen zeitgemäßen Brandschutz. Diese Feststellung führte bereits zu Aktivitäten: In der letzten Stadtverordnetenversammlung war zu erfahren, dass es anscheinend schon konkrete Verhandlungen um einen völlig neuen Standort in Butterstadt gibt.

Die nächste Aktualisierung des Bedarfs- und Entwicklungsplanes könnte übrigens schon bald fällig sein: Das jetzt vorgestellte Werk beinhaltet nämlich noch nicht die zukünftige Nutzung des Gewerbegebiets Fliegerhorst, da bei der Erstellung noch keine Aussagen über die detaillierte Nutzung gemacht werden konnten. Nach vollständiger Inbetriebnahme dieses Bereichs muss vermutlich eine Ergänzung des Planes erfolgen – möglicherweise ist auch ein eigener Bedarfsplan nötig, der mit Erlensee wie auch dem Kreis besonders abgestimmt werden muss. Denn das große Gewerbegebiet verfügt schon heute über sehr ausgedehnte Gebäude und Hallen, die das übliche Gebäudemaß innerhalb von Wohnorten wie Bruchköbel und Erlensee deutlich überschreiten.