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FDP-Vorstand sucht Normalität – Von Jürgen Dick

(Bruchköbel/jgd) – Im Vorstand der Bruchköbeler FDP hat man sich jetzt eingehend mit der Causa „Verlorener Sohn“ befasst. Der Hintergrund: Vor einigen Wochen war man im obersten FDP-Gremium urplötzlich wenig amüsiert. Hatte man doch überraschend aus der Tagespresse erfahren müssen, dass ein früherer Anhänger sogenannter „Nationaler Sozialisten“ schon seit mehreren Monaten im Vorstand der Bruchköbeler FDP Platz genommen hatte. Zwar hatte der neue Mann zu dieser Zeit seiner anstößigen politischen Vergangenheit bereits abgeschworen, welche über einige Jahre hinweg von Aktivitäten in Neonazi-Kreisen im hiesigen Umfeld wie auch später in Chemnitz geprägt war.

Doch die „Frankfurter Rundschau“ hatte den Fall Ende August öffentlich gemacht, und der „Hanauer Anzeiger“ brachte kurz darauf ein Interview mit dem Aus- und Einsteiger. Darin hatte der neue FDP-Mann, zwar anonym, doch einigermaßen glaubhaft, seine inzwischen erfolgte politische Rückbesinnung und seinen Ausstieg aus der rechtsextremen Szene geschildert. Peinlich für die FDP: Der Parteivorstand war offenbar monatelang ahnungslos. Das bekräftigte die Vorsitzende Sylvia Braun jetzt auf Anfrage auch noch einmal gegenüber dem BK: „Der gesamte Ortsvorstand wusste nichts von der Vergangenheit und missbilligt deutlich das Verschweigen.“ Inzwischen habe es aber mit dem neuen Vorstandskollegen längere Gespräche und Sitzungen gegeben; die delikate Angelegenheit war sogar im Kreisverband der FDP gelandet.

Vorläufiges Fazit: Der Ortsvorstand der Bruchköbeler FDP begrüßt jetzt den Willen des neuen Mitglieds, „Teil des demokratischen Prozesses zu sein“, so Vorständin Sylvia Braun gegenüber dem BK. Man hat sich im Vorstand offenbar dazu entschlossen, dem neuen Mitglied eine politische Bewährungszeit zu gewähren. Die Chance auf politische Aktivitäten bei der FDP bleibe ihm erhalten. Es liege jetzt in seiner Hand, so Braun, den Vertrauensverlust durch Taten in der Zukunft vergessen zu machen. „Er sollte sich bewußt sein, dass er deswegen -intern wie extern- unter besonderer Beobachtung steht“, so die Vorsitzende streng. Sylvia Braun betonte darüber hinaus, dass es durchaus Sinn gemacht habe, ein neues Mitglied gleich in den Vorstand hinein zu wählen, „weil man nur so seine Neulinge kennen- und einschätzen lernt“. Gerade dies hat aber im aktuellen Fall nur dürftig funktioniert. Trotz monatelangen Kennenlernens auf Vorstandsebene war die Wirklichkeit erst unter Nachhilfe der Tagespresse zu Tage getreten, und das auch erst nach Monaten.

In der Bruchköbeler FDP will man jetzt jedenfalls nach vorne schauen, und bittet darum, „diese parteiinterne Angelegenheit“ nun „den zuständigen Gremien“ zu überlassen. Gleichwohl dürfte es für den Ortsverband einer liberalen deutschen Partei einen bundesweit einmaligen Vorgang darstellen, dass sich dort ein Mitglied des Vorstandes ab sofort persönlich und politisch „unter besonderer Beobachtung“ wähnen und fühlen muss. Mit zahlreichen Aussagen im freiheitlich orientierten Grundsatzprogramm der FDP, erst 2012 erneuert, dürfte eine solche Ansage an ein Parteimitglied wohl kaum zu vereinbaren sein.