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Auszug aus dem Regionalflächenplan für das Bruchköbeler Stadtgebiet. Zur Erläuterung der von uns eingefügten Ziffern siehe den Text

Wo sind Flächen für erschwinglichen Mietwohnbau?

(Bruchköbel/jgd) – Es tut sich so langsam etwas bei der Suche nach neuen Flächen für sozialverträglichen Wohnbau. Das ließ sich der letzten Stadtverordnetensitzung entnehmen, als der Bürgermeister Fragen zu aktuellen Themen beantwortete. So steht anscheinend die Baugenossenschaft Bruchköbel in Gesprächen um ein Grundstück für die Bebauung nach den Regeln des Erbbaurechtes. Damit könnte ein hoher Grundstückspreis vermieden werden - eine Voraussetzung für die Schaffung relativ günstigen Wohnraumes. Einzelheiten gab es dazu allerdings noch nicht zu hören.

Bei der Suche nach Grundstücken für sozialen, preiswerten Wohnbau gibt es auch noch andere Ideen. Der Bürgermeister wies in diesem Zusammenhang etwa auf das „Erdbeerfeld“ hin – ein Ackergebiet in Nähe der Hammersbacher Straße. Allerdings steht in den Sternen, ob es dort tatsächlich vorrangig zu einem sozialen Mietwohnbau kommen würde. Grundlage dafür müsste ein politischer Entscheid der Stadtverordneten sein. Auch der benachbarte Käthe-Kollwitz-Ring war einheitlich mit kleineren Eigenheimen bestückt worden. Das Bruchköbeler Parlament befürwortete in den letzten Jahren immer wieder diese Entwicklung – ein ausdrücklicher Sozialwohnbau war bereits mit Beginn des Jahrtausends zum Erliegen gekommen und ist seither nicht mehr angegangen worden (der BK berichtete).

Neue Baulandplanungen bis 2020
Bruchköbel muss solche Flächen, die es für die Wohnbebauung vorsehen will, mit dem Regionalverband Rhein-Main abstimmen. Dort sind rund 75 Kommunen zusammengeschlossen, die periodisch miteinander klären, wer wieviel Fläche für Wohnen, Gewerbe und Natur reservieren darf. Die letzten größeren Festlegungen gab es vor rund 10 Jahren. Eine neue Planung soll bis 2020 aufgesetzt werden. In den Kommunen scharrt man jetzt überall mit den Hufen, um Bauland für sich durchzusetzen. Auch in Bruchköbel sammele man nach den Worten Maibachs derzeit Vorschläge. Er selbst gab sich zum Beispiel auch als Befürworter der Entwicklung eines weiteren Gewerbegebietes südlich des Lohfeldes zu erkennen, „bis zum südlichen Waldrand“, wenn möglich. Ob das im Verband durchzusetzen ist, sei eine andere Frage.

Bis 2020 gilt jedenfalls, was derzeit vom Regionalverband erlaubt ist. In der abgebildeten Karte des Regionalverbands haben wir mit den Ziffern 1 bis 4 die letzten größeren, zumindest theoretisch möglichen Gebiete für Wohnbebauung dargestellt. Knackpunkt ist dabei, dass Verhandlungen mit den Besitzern positiv ausgehen. Die Ziffern 5 bis 7 zeigen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, solche Felder, die theoretisch in die Verhandlungen mit dem Regionalverband für die Bebauung nach 2020 in Frage kommen könnten, darunter auch das Gebiet südlich des Lohfeldes (7).

Mietwohnungen oder Eigenheime?
In Sachen „sozial erschwinglicher Wohnraum“ könnte also etwas in Bewegung kommen. Wenn auch eher mit der Geschwindigkeit einer Wanderdüne. Wobei die Frage noch gar nicht beantwortet ist,  für welche Zielgruppe eigentlich „sozial“ gebaut werden soll. Immerhin hatte der BBB mit einer Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung einen Hinweis auf „Familien“ gegeben. Auch aus der SPD gibt es Signale, dass man für Familien den besonderen Bedarf sieht und es auch für die Stadt selbst am nachhaltigsten ist, wenn sie Familien den Zuzug hierher ermöglicht. Familien mit Kindern suchen relativ große, bezahlbare, und damit eben familiengerechte Mietwohnungen. Der Bruchköbeler Mietwohnmarkt ist für solche Wohnungen praktisch abgegrast. Überhaupt steht eine politische Auseinandersetzung über die Grundsatzfrage noch aus, ob man denn wirklich familienfreundliche Quartiere mit erschwinglichen Mietwohnungen will, oder ob man, wie seit fast 20 Jahren, weiterhin bloß einseitig den teuren Eigenheimbau fördern möchte. Eine transparente Debatte der Bruchköbeler Politik findet zu diesem Thema nicht wirklich statt.