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Auch wenn die Tage des chronisch defizitären Bürgerhauses (siehe Artikel) gezählt scheinen: Nach 40 Jahren in Wind und Wetter hätte sich das schöne Relief ein Plätzchen im Inneren des neuen Stadthauses verdient

Status-Check des BK zur Innenstadt

(Bruchköbel/jgd) – Nach der Bürgerversammlung u.a. zum Projekt Innenstadt erhob sich Kritik an den gestiegenen Plankosten. Für das Gesamtprojekt werden jetzt statt 22 Millionen Euro bis zu 25 Millionen erwartet. Von beiden Beträgen sind noch ca. 2 Millionen für Einnahmen aus Verkäufen von Grundstücken abzuziehen. Hauptgrund der Besorgnisse ist der steigende Kostenanteil der Tiefgarage. Vertreter der Bruchköbeler Parteien  -sie hatten das Projekt vor drei Jahren einstimmig auf den Weg gebracht-  gaben sich in einer Umfrage des Hanauer Anzeiger überrascht, aber auch besorgt. Auch in den sozialen Netzwerken wurden Fragen aufgeworfen. Wir haben bei der Stadt nachgehakt und versuchen einen Status-Check zu den neuralgischen Punkten:

Teure Tiefgarage?
Die Tiefgarage ist wohl der grösste Unsicherheitsfaktor, der die Kosten treibt. Der feuchte Baugrund macht das Bauen ins Erdreich kompliziert. Vereinzelt wird jetzt gefordert, die Tiefgarage durch ein oberirdisches Parkhaus zu ersetzen. Das wäre ein drastischer Schritt. Die Planung müsste dann neu überdacht werden. Erklärte Ziele wie „Verbesserung der Aufenthaltsqualität“ müssten neu bewertet werden. Es würde eine Zeitverzögerung eintreten. Andererseits wird ein Parkhaus (egal ob über, oder unter der Erde) tägliche Einnahmen generieren, im Jahr vermutlich ein sechsstelliger Betrag. Es wäre somit innerhalb des Projektes der einzige Gebäudeteil, der seine Investition zu einem merklichen Teil selbst finanziert.

Wo könnte man sparen?
Bei der Ausstattung (etwa Fassaden, Innenbereich, Böden) könnte man auf besonders preiswerte Lösungen setzen. Für eine Reduzierung der Gesamtkosten dürfte das aber nicht den entscheidenden Effekt bringen. Schärfere Einsparungen würden möglich, wenn man an die Struktur des Bauwerks selbst heranginge. Generell würde dann gelten: Je kleiner, je einfacher - desto billiger. Konkrete Pläne für eine Verkleinerung gibt es allerdings nicht. Die bisherigen Planungen folgen ziemlich streng den Vorgaben der Politik, die das Innenstadtkonzept beschlossen hatte.

Warum gibt es keine Kostendeckelung?
Auch die Forderung nach einer Obergrenze bei den Kosten wurde laut. Der ursprüngliche, einstimmige Startschuss des Parlamentes im Jahr 2014 enthält keine solche Regelung. Auch in späteren Beschlüssen wurde kein Kostendeckel benannt. Die kostendämpfende Wirkung solcher „Deckel“ ist umstritten. Umplanungen und Änderungen, zumal wenn der Prozess schon läuft, sind beim Bauen nicht umsonst zu haben, bewirken Verzögerungen, können sogar selbst als Kostentreiber wirken.  

Lieber doch den Altbestand renovieren?
Verwaltungsspitze und Politik hatten sich dazu klar positioniert: Der Sanierungsstau in den alten Gebäuden würde in eine Kreditverschuldung von 10,8 Millionen Euro münden. In Zins und Tilgung umgerechnet entstünde nach und nach eine jährliche Belastung um die 500.000 Euro. Das war für die Parteien im Parlament einer der Gründe, auf den kompletten Neubau zu setzen.

Was ist mit der Gegenfinanzierung?
Das ist die Kardinalfrage, auf die die Politik jetzt pocht. Gemeint ist die Gegenüberstellung von zukünftigen jährlichen Kosten auf der einen, und Einnahmen und Einsparungen auf der anderen Seite. Daraus ergibt sich die jährliche Belastung der kommenden Jahre. Diese muss dann in jedem Jahr über den Haushalt erwirtschaftet werden. Genannt wurde bereits im Frühjahr eine jährliche Summe um 1 Million Euro im Jahr, die in Zukunft für die Gesamtfinanzierung abzustottern sei. Als pauschale „Gegenfinanzierung“ schlug die Stadtspitze zuletzt eine Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuern vor. Ab 2019 sollen dadurch im Vergleich zu heute zusätzliche 450.000 Euro hereinkommen, ab 2021 dann rund eine Million. Dadurch wäre ein wesentlicher Anteil der Belastungen bereits finanziert.

Welche Einsparungen werden erzielt?
Allerdings müssen auch die Ersparnisse und Einnahmen eingerechnet werden, die das Projekt bringen soll. Es erfolgt immerhin die Zusammenfassung von vorher drei Gebäuden (Rathaus, Bürgerhaus, Seniorenzentrum) unter ein Dach. Das Gebäudevolumen wird um 50% kleiner, heisst es. Weniger Raum und Fläche also, die man in Zukunft versorgen, pflegen und abschreiben muss. Kaum bekannt ist zum Beispiel, dass alleine für das heutige, freistehende Bürgerhaus zuletzt jedes Jahr Defizite zwischen 270 und 290.000 Euro angefallen sind, für die die Bürger ohne Murren aufkommen müssen. Für das neue „Stadthaus“ ergeben sich alleine bei der Energie Einsparungen von 110.000 Euro, so die Planer. Für die jährlichen Gesamtkosten wurde insgesamt ein Einsparpotential von 250-300.000 Euro geschätzt. Es werden auch Einnahmen erwartet: etwa aus den Gebühren der Tiefgarage, wo u.a. mit der Dauervermietung von 100 Stellplätzen gerechnet wird, sowie aus Vermietungen des Restaurants und der Säle im neuen Stadthaus. Hoffnung auf indirekte Einnahmen steht darüber hinaus hinter der Erwartung, dass sich im neuen Geschäftshaus Jahnstraße weiteres Gewerbe und Praxen ansiedeln. Dadurch steige die Besucherfrequenz in der neuen Innenstadt, und das stärke die Gewerbesteuereinnahmen.

Die Zahlen will der Bürgermeister jetzt offenbar systematisch rechnen bzw. aktualisieren lassen. Zusammen mit der Vorlage des Haushaltes vor einigen Wochen wurde bereits die wirtschaftliche Gegenüberstellung „vorher/nachher“ eines Wirtschaftsprüfers angekündigt.