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(Hanau/pm) - Der organisierte Sport in Hessen wächst weiter. Mit großer Zustimmung haben die Mitglieder des Hauptausschusses, des zweithöchsten Entscheidungsgremiums des Landessportbundes Hessen e.V. (lsb h), auf ihrer Tagung am Samstag in Frankfurt drei neue Sportverbände in ihre Reihen aufgenommen. Ab sofort gehören der Cheerleading und Cheerdance Verband Hessen e.V. (CCVH), der Floorball Verband Hessen e.V. und der Hessische Cricket Verband e.V. zur Dachorganisation des Sports. Weiterhin stimmte der Hauptausschuss der Aufnahme des Trägervereins der Sportklinik Frankfurt im Status eines Verbandes mit besonderen Aufgaben in den Landessportbund Hessen zu.

Mit der Freude über das Wachstum geht im organisierten Sport aber auch die Sorge über ein mögliche „Auseinanderdriften“ der Sportfamilie einher. „Wir müssen uns entscheiden, ob wir künftig alles, was in irgendeiner Form einen Sportbezug offenbart, aufnehmen wollen oder können“, formulierte Landessportbundpräsident Dr. Rolf Müller. Dazu gehöre auch die Analyse der Frage, ob und wie „unsere Fachverbänden in der Lage sind, temporäre Strömungen und neue Sportarten durch gelungene Bewegungsangebote zu integrieren“. Auf jeden Fall aber will der Sportbund ab 2018 „eine kompetente Arbeitsgruppe installieren, die sich intensiv mit der Überarbeitung der Aufnahmeordnung der Dachorganisation beschäftigt“, so lsb h-Vizepräsident Rolf Hocke.

Mit der Aufnahme der drei neuen Verbänden gehören jetzt 58 Sportfachverbände zum Landessportbund. Die Anzahl der im lsb h organisierten Vereine erhöht sich um 31, die Anzahl der Mitglieder um knapp 2.500. Konkret führt der Hessische Cricket Verband neun Vereine mit 350 Mitgliedern, der Floorball Verband Hessen e.V. neun Vereine mit etwa 1.000 Mitgliedern und der Cheerleading und Cheerdance Verband Hessen e.V. 13 Vereine mit gut 1.100 Mitgliedern.

Als eine Art „Anschubfinanzierung“ erhalten die neuen Verbände ab 2018 drei Jahre lang aus lsb h-Mitteln je 8.000 Euro. Der Verteilungsschlüssel der Mittelzuweisung an die übrigen 55 Sportfachverbände bleibt in dieser Zeit unangetastet. Das machte Vizepräsident Helmut Meister, im Präsidium für die Finanzen des organisierten Sports zuständig, deutlich. Meister legte den Delegierten für 2018 einen solide gebauten und in Einnahmen und Ausgaben mit 32,3 Millionen Euro ausgeglichenen Haushaltsentwurf vor. Der von äußerster Effizienz geprägte Haushalt sieht auch eine Erhöhung der Rücklagen um 550.000 Euro vor.

Letztlich konnte Meister auch in Sachen Baumaßnahmen Positives berichten. Weite Teile der energetischen und brandschutztechnischen Sanierung des Verwaltungsgebäudes des Sports in Frankfurt sind abgeschlossen. Die marode „Sporthalle 2“ des Landessportbundes in der Otto-Fleck-Schneise ist mittlerweile abgerissen, der geplante Neubau einer doppelstöckigen Halle als Ersatz soll 2019 beendet sein. Die gute Nachricht: Die veranschlagten Baukosten werden auf jeden Fall im Rahmen bleiben, möglicherweise sogar unterschritten, erklärte Meister.

Von der neuen Halle wird nicht nur der Breitensport,  sondern auch Hessens Leistungssport profitieren. Dessen Strukturen stehen – in Hessen im positiven Sinne – derzeit auf dem Prüfstand, wie Vizepräsident Lutz Arndt erläuterte. Gemeinsam mit dem Ministerium des Innern und für Sport, den Trainern und Athleten will man gerade den Leistungssport anforderungsgerecht aufstellen. Ein Vorgehen, das der Abteilungsleiter Sport im Innenministerium, Jens-Uwe Münker, ausdrücklich lobte. „Wir setzen in dem Entwicklungsprozess auf ein partizipatorisches Miteinander“, gab Münker auch die Auffassung des hessischen „Sportministers“ Peter Beuth wieder. Und dass Leistungs- und Breitensport unmittelbar voneinander profitieren, steht für Münker ohnedies außer Frage.

Eine Feststellung, die der für den Bereich Sportentwicklung zuständige Vizepräsident Ralf-Rainer Klatt so teilt. Klatt wies auf die immensen Anstrengungen des Landessportbundes in den Bereichen Sport und Gesundheit, Inklusion und Integration hin. Aufgaben, die zum Teil gemeinsam mit der Sportjugend Hessen gut und erfolgreich bearbeitet würden, so Klatt.

Das bestätigte die Vorsitzende der Sportjugend Hessen, Juliane Kuhlmann. Die berichtete nicht nur von Projekten, mit denen junge Menschen längerfristig für sportliche Ehrenämter begeistert werden sollen, sondern auch über einen ausgeglichenen Haushalt, der erstmals die acht Millionen-Euro-Grenze überschreitet.

Bleibt der Bereich Schule, Bildung und Personalentwicklung. Das Engagement für die dritte Sportstunde an Hessens (Grund)Schulen, Erfolge in der Kampagne „Sport bildet und bewegt in Schule und Verein“ und die Bemühungen, in jedem der 23 hessischen Sportkreise eine Grundschule zu finden, die gar täglich eine Sportstunde anbietet, sind wesentliche Punkte der Arbeit. Dass es mit Beginn des zweiten Halbjahres fünf hessische Schulen sein werden, an denen die tägliche Sportstunde eingeführt ist, machte den verantwortlichen Vizepräsidenten Prof. Dr. Heinz Zielinski stolz.

Bei all dem muss der organisierte Sport – und das gilt auch für Hessen – sein Selbstverständnis überprüfen. „Wie muss der Sport aufgestellt werden, wenn er zukunftsfähig sein will? Wo liegen gesellschaftspolitische Herausforderungen, welche Schlüsselthemen gilt es zu identifizieren und perspektivisch zu bearbeiten?“ lauteten Fragen, die Andreas Klages vom Deutschen Olympischen Sportbund vor den Delegierten in den Raum stellte. Der Landessportbund Hessen wird diese Fragen auf seinem nächsten Sportdialog diskutieren, kündigte Präsident Dr. Rolf Müller an. Warum, liegt auf der Hand. „Wir wollen  die Einheit in der Vielfalt des organisierten Sports unbedingt erhalten. Wir sind der Sportanbieter Nummer 1 in Hessen. Und das wollen und werden wir auch bleiben!“, verdeutlichte Müller die erklärten Ziele.