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Caritas-Verband für den Main-Kinzig-Kreis e.V.

(Hanau/pm) - „Wenn die Bundesregierung selbst vor wenigen Wochen vor den politischen Folgen einer zu starken Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche warnt, dann ist eine Debatte darüber im derzeitigen Bundestagswahlkampf überfällig. Der Caritas-Regionalverband Main-Kinzig hat seinen ersten Beitrag dazu geleistet, indem er eine Podiumsdiskussion mit hiesigen Bundestagskandidaten führte.“ Die Resonanz darauf mit mehr als 100 Interessierten im Publikum sei „überaus erfreulich“ gewesen, findet Caritas-Regionalgeschäftsführer Robert Flörchinger. Er kündigte an, dass sich der katholische Wohlfahrtsverband bis zum Wahltag am 24.September weiter zu „notwendigen politischen Initiativen zum Wohl unterprivilegierter Menschen in unserer Gesellschaft“ äußern werde.

Der Caritasverband will sich mit „Wahlprüfsteinen“ an die Kandidierenden im Wahlkreis 180 (Hanau) zu Wort melden, „um zu zeigen, wo die Lobby für Benachteiligte in unserer Gesellschaft stärker werden muss“. Der Caritas-Regionalverband hatte zu seiner Podiumsdiskussion im Hanauer Dechant-Diel-Haus Dr. Katja Leikert (CDU), Dr. Sascha Raabe (SPD), Tobias Huth (Die Linke), Anja Zeller (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Ralf-Rainer-Piesold (FDP) und Jonny Nedog (AfD) eingeladen. Mit einem Impulsreferat hatte der Sozialethiker Professor Franz Segbers ins Thema eingeführt mit der christlichen Grundeinsicht: „Die Armen sind der Maßstab.“ Er zitierte den „Blick von unten“ aus dem Mund von Papst Franziskus: „Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte an der Börse Schlagzeilen macht.“ Flörchinger sieht bei den Kandidierenden für den Wahlkreis 180 „das Bemühen, um Lösungen zum Wohl der Menschen“. Zweifelsohne seien Fortschritte erzielt worden, beispielsweise durch den Mindestlohn, den auch beide Vertreter der Großen Koalition hervorhoben. Selbstverständlich sähen nicht regierende Parteien die Lage naturgemäß anders.Unabhängig von alledem stellten sich für den Caritasverband aber weiterhin Fragen, die bei der Podiumsdiskussion „noch nicht oder noch nicht erschöpfend genug“ beantwortet worden seien. Dazu zähle, wie der jüngeren Generation eine Alterssicherung in Aussicht gestellt werden könne, die keinen gravierenden Verlust ihres bisherigen Lebensstandards bedeute. Wichtig sei auch die Frage, wie in Hanau und Umgebung Wohnraum für alle Schichten bezahlbar bleiben könne und ob der bereitgestellte bezahlbare Wohnraum ausreiche. Regionalgeschäftsführer Flörchinger hebt hervor, dass es der Caritas darum gehe, am 24. September die Menschlichkeit in den Mittelpunkt der Bundestagswahlentscheidung zu stellen. „Was wirklich der Menschlichkeit dient“ – das ist aus Sicht des kirchlichen Wohlfahrtsverbands ein echtes Kriterium für die Beurteilung von Parteiprogrammen oder von Positionen der unterschiedlichen Kandidat/-innen. Gerade in der aktuellen Lage, in der oft von „alternativen Fakten“ die Rede ist, lädt Caritas ein, sich dem mühevollen Wettstreit der Argumente zu stellen und sich für eine Akzeptanz und für die Sicherung unseres Sozialstaats einzusetzen. Der Caritas-Verband hält es für lohnenswert, gerade mit dem Fokus auf sozialpolitische Themen seine Arbeit für Hilfebedürftige und Benachteiligte zu unterfüttern.