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Aber auch weitere Kritik am Neubau

(Bruchköbel/pm/jgd) - Auf Einladung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Hessen-Süd haben sich am Donnerstag letzter Woche rund 30 Anwohner des AWO Sozialzentrums Bruchköbel versammelt, um aktuelle Informationen zum dortigen neuen Anbau zu erhalten. „Wir wollen zeigen, wie der Anbau in den nächsten Monaten voranschreiten wird. Wichtig ist uns dabei, Fragen der Nachbarschaft zu beantworten und Anregungen einzubeziehen. Eine weiterhin gute Nachbarschaft ist uns wichtig“, begründete der AWO-Generalbevollmächtigte Torsten Hammann die Einladung auch nachträglich noch einmal in einer Pressemitteilung.

In den letzten Monaten war bei einigen Anwohnern der Unmut um den Bau gewachsen. Denn im Frühjahr waren die Bautätigkeiten praktisch zum Erliegen gekommen. Grund seien durch den beauftragten Bauunternehmer verursachte Verzögerungen gewesen, so der AWO-Vertreter. Gelder seien gezahlt worden, aber Subunternehmer nicht ans Werk gegangen. Inzwischen habe man sich von dem Unternehmen getrennt und organisiere die Fertigstellung in Eigenregie und durch direkte Vergabe der noch ausstehenden Leistungen. Daraus, so erläuterte Bauingenieur und AWO-Projektleiter Lutz Meise, resultiere nun ein Zeitplan, der bis April den Abschluss der Außenarbeiten am Gebäude zum Ziel habe. Im Juli und August folgten Wand-, Decken- und Bodenbeläge. Im September gehe es an die Gestaltung der Außenanlage. Im Laufe des Oktobers solle der Anbau fertig sein und dann Platz für 22 Bewohner in Einzelzimmern bieten. Durch die neuen Einzelzimmer sollen wiederum die bisherigen Doppelzimmer im Bestandsgebäude in Einzelzimmer umgebaut werden.

Gegenüber den Anwohnern erläuterte man Lösungsansätze für einige Problemstellungen. So soll die südliche Durchfahrt zusätzlich mit einer Vorfahrtsregelung versehen werden, die den begegnenden Verkehr dann klar regelt. Dabei solle auch den Fußgängern genügend Platz eingeräumt werden, so dass es zu keinen Engpässen kommt. In diesem Zusammenhang wurden in der Versammlung auch Ideen bezüglich der Abgrenzung zwischen Straße und Nachbargrundstück geäußert, die Bauingenieur Lutz Meise ebenfalls mitnahm. Auch die Idee, auf dem Gelände Begegnungsräume durch Sitzbänke zu schaffen, fand Anklang. Ebenso der Hinweis, einige morsche Bäume zu entfernen und neue Bäume zu pflanzen.

Ein Kernpunkt der Kritik von Vertretern der „Interessengemeinschaft Anlieger AWO“ ist allerdings, dass man den Anbau zu nahe an der Grundstücksgrenze sieht. Eine Anwohnerin hat inzwischen eine Klage gegen den Main-Kinzig-Kreis als genehmigende Behörde angestrengt. Es bestehe für den Grundstücksabschnitt eine „Baulast“, gegen die mit der Planung verstoßen werde. Die AWO-Vertreter wiederum dementierten dies. Die „Baulast“ besage lediglich, dass eine Feuerwehrzufahrt von 3 Metern Breite gewährleistet sein müsse. Man plane aber sogar mit 3,50 Metern. Zu den Grundstücken bestehe überdies ein ca. 1,50 Meter breiter Grünstreifen. Die Ausgestaltung des Zufahrtsweges wird von der Interessengemeinschaft nun aber auch im Hinblick auf den barrierefreien Zugang zu einem rückwärtig benachbarten Mehrparteienhaus kritisiert. Mitglieder der IG argumentierten nach Information des BK zuletzt gegenüber dem Regierungspräsidium in Darmstadt, dass der Weg im Sinne einer inzwischen auch in Hessen geltenden DIN-Norm „18040-2“ nicht barrierefrei geplant sei. Nach dieser Norm müsse jedoch ein Zugangsweg für Benutzer von Rollstühlen und anderen „besonderen Fortbewegungsmitteln“ wie etwa Kinderwagen gesondert begehbar sein. Die gleichzeitige Benutzung durch Fahrzeuge wäre demnach nicht erlaubt. Bei den zwölf Eigentumswohnungen des besagten Mehrparteienhauses handele es sich um Sondereigentum, welches als „barrierefrei“ gebaut und entsprechend veräußert worden sei, so die Interessengemeinschaft gegenüber dem Regierungspräsidium.