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(Bruchköbel/jgd) – Die Hoffnung, dass Bruchköbel kurzfristig in den Genuss weicheren Wassers kommen könnte, wird sich wohl absehbar nicht erfüllen lassen. Dieses Fazit lässt sich aus einer Informationsveranstaltung im Finanzausschuss des Parlamentes ziehen. Ausführungen von Fachleuten an diesem Abend zeigten zwar, dass es grundsätzlich möglich wäre, weicheres Wasser in die Versorgungsleitungen zu bekommen. Aber die Hürden dafür liegen wohl hoch. Grüne, BBB und auch die FDP hatten in der Kündigung des seitherigen Versorgungsvertrages mit den Kreiswerken die Chance gesehen, gänzlich auf einen anderen Versorger umzusteigen, der weicheres Wasser liefern kann.

Die Diskussion darüber hatte in der Folge einige Fahrt aufgenommen, und war auch teilweise hitzig geführt worden. Bürgermeister Günter Maibach sah sich daher veranlasst, Vertreter der Kreiswerke, ein Ingenieursbüro sowie einen unabhängigen Gutachter in den Ausschuss einzuladen, damit die Parlamentarier dem Thema in einer Fragerunde auf den Grund gehen können.

Kein Recht auf weiches Wasser Erste, ernüchternde Erkenntnis des Abends: Der Härtegrad des Wassers ist aus Sicht des Gesetzgebers kein Kriterium für die Qualität des Wassers. Auch hartes Wasser gilt deutschlandweit als gut und gesund, sofern es biologisch unbedenklich ist, also frei von Keimen und anderen gesundheitsgefährdenden Stoffen. Somit besteht für Kommunen kein Anrecht auf besonders weiches Wasser. Versorger in der Region, die weicheres Wasser liefern, gibt es dennoch – zumindest auf dem Papier: Wasserversorger wie OVAG, Hessenwasser und die Maintalwerke liefern auch weicheres Wasser. Allerdings gibt es für die Wasserversorgung gesetzliche Vorschriften, die der Vorstellung entgegenstehen, es könnten sich die Kommunen so verhalten wie der Kunde im Supermarkt, der mal zu dieser, mal zu jener Wasserflasche greifen darf. Die Kommunen sind gesetzlich angehalten, vorrangig auf eine ortsnahe Versorgung zu setzen. Auch Entnahmestellen mit härterem Wasser, wie etwa im Bruchköbeler Stadtteil Roßdorf, haben dadurch in gewisser Weise einen Bestandsschutz.

Weiches Wasser einfach hinzumischen? Die in Roßdorf gegebene Qualität ist die Hauptursache dafür, warum das Wasser im Stadtgebiet relativ hart ist. Um das hiesige Wasser auf einen mittleren Härtegrad zu trimmen, müsste man den rund 900.000 Kubikmeter Wasser, die Bruchköbel im Jahr verbraucht, laut den Berechnungen eines anwesenden Wasser-Ingenieurs bis zu 500.000 Kubikmeter extrem weiches Wasser beimischen. Dafür käme etwa das Wasser des Lieferanten „Hessenwasser“ in Frage. Allerdings könne dieser Lieferant solche Mengen nicht bereitstellen, so jedenfalls die Aussagen der Kreiswerke-Vertreter. Das gelte auch für die anderen Lieferanten, die man angefragt habe. Das Wasser der Region sei nämlich inzwischen zu einem raren Gut geworden. Das bekomme inzwischen auch die Stadt Frankfurt zu spüren, deren Bedarf, wie überhaupt der des gesamten Rhein-Main-Gebietes, ständig steige. Frankfurt wird zur Zeit kritisiert, die Wasserkapazitäten des Vogelsberges so stark zu beanspruchen, dass die dortigen Gemeinden Probleme mit der eigenen Versorgung bekommen.

Chemische Enthärtung teuer Statt weicheres Wasser beizumischen, könnte man aber auch auf eine technische Lösung setzen. Es wäre grundsätzlich möglich, das Wasser chemisch aufzubereiten und auf „weich“ zu trimmen. Wegen der speziellen Chemie des Roßdorfer Wassers käme dafür eine sogenannte „Schnellentcarbonisierung“ in Betracht. Bei diesem Verfahren wird dem Wasser laufend Kalkmilch oder Natronlauge zusetzt. Der vorhandene Kalk im Wasser wird dadurch chemisch „ausgefällt“, das bedeutet: er bleibt in einer Art Sandfilter zurück. Der Sand muss dann regelmäßig entsorgt werden. Knackpunkt der chemisch-technischen Lösung sind dann die Kosten. Je nachdem, wo man die chemische Enthärtung durchführt, gehen die Investitionen dafür in die Millionen. Eine zentrale Anlage für mehrere Kommunen würde bis zu 20 Millionen Euro kosten. Eine für Bruchköbel maßgeschneiderte Lösung käme immer noch auf 7 Millionen. Jährliche Kosten von 580.000 Euro wären zu stemmen. Diese Gelder dürften noch nicht einmal auf die Wassergebühren der Kunden umgelegt werden. Es käme also deswegen zu keiner Gebührenerhöhung. Die Kartellbehörde untersagt es, derartige Zusatzkosten auf den Wasserpreis aufzuschlagen. Denn Maßnahmen zur Wasserenthärtung sieht der Gesetzgeber als freiwillig an - im Grunde als Luxusinvestition der jeweiligen Kommune. Die Stadt Bruchköbel müsste also die Investition selbst stemmen. Das käme dann als erhebliches finanzielles Wagnis heraus. Die Folgekosten müsste von nun an jedes Jahr im städtischen Haushalt „verdient“ werden. Ob eine derart hohe Ausgabe für eine letztlich freiwillige Leistung von der Kommunalaufsicht genehmigt würde, steht in den Sternen. Erst 2016 gelang es der Stadt überhaupt wieder, ihr Haushaltsergebnis ins Positive zu drehen.

Die Vertreter der Kreiswerke betonten an jenem Abend im Rathaussaal dennoch den Willen, auf eine weichere Wasserqualität hinzuarbeiten. Dies sei auch im neuen Wasserkonzessionsvertrag zugesichert. Mit der Zeit könnten sich nämlich neue Möglichkeiten bei den Zuleitungsnetzen oder bei den Abmachungen mit anderen Wasserlieferanten ergeben, mit denen man auch jetzt schon Lieferverträge habe. Allerdings, und auch das wurde betont, sei der Abschluss eines Vertrages mit langer Laufzeit (20 Jahre) dafür eine Voraussetzung, und in der Branche auch üblich. Investitionen in neue Leitungen und Technik hätten nämlich immer einen langfristigen Charakter. Dem Wunsch, bloß einen kurzfristigen, zum Beispiel 2-jährigen Vertrag abzuschließen, würden die Kreiswerke daher nicht entsprechen. In diesem Fall müsste sich Bruchköbel auf eigene Faust um einen anderen Anbieter kümmern – womöglich ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Im Ausschuss wurde am Ende mit knapper Mehrheit die Empfehlung ausgesprochen, den Konzessionsvertrag für die Stadt anzunehmen.