Bruchköbeler Kurier, das wollen Sie wissen.

Reformationstag - Lutherwalk

(Bruchköbel / pm) - "Hier gehe ich, ich kann nicht anders..." - die evangelischen Gemeinden aus Issigheim, Roßdorf und Bruchköbel setzten diesen Gedanken am Reformationstag um. Den Beginn bildeten drei parallele Gottesdienste in den jeweiligen Kirchen mit viel Musik und einer Frau auf der Kanzel. Was heute kaum mehr erwähnenswert scheint, war vor nicht allzu langer Zeit auch in der evangelischen Kirche noch umstritten. In historischer Gewandung trug „Katharina von Bora“ vor, wie sie dem Evangelium begegnete und wie die frohmachende Botschaft der Freiheit in Jesus Christus auch heute noch Mut machen kann.

Im Anschluss zogen die Gemeindeglieder auf einem Sternmarsch in Richtung der Kelterei Walther. Unterwegs wurde an drei Kitas nachgespielt, wie die Reformation zur Hebung des Bildungsniveaus beitrug. (Auch in Bruchköbel standen die erste Schule 1587 und die erste Kita 1917 in evangelischer Trägerschaft.) Nach der Begegnung aller „Reformatoren“ – neben Luther wurden auch Melanchthon, Bucer und Bugenhagen von Gemeindegliedern verkörpert – traf man sich auf dem Hof der Familie Schäfer bei freundlichem Sonnenschein zum Festmahl. Über 300 Teilnehmende bevölkerten den Hof und lauschten den Tischgesprächen zum Thema Freiheit, bevor es weiterging zum Seniorenheim Kursana. Hier stand die Musik im Mittelpunkt, unterstützt von einem vielstimmigen Posaunenchor aus den drei Kirchengemeinden sowie der Christlichen Gemeinschaft Oberissigheim.

Nächste Station war die katholische (!) Kirche Sankt Familia, deren Pfarrer Jürgen Heldmann sich bereit erklärt hatte, selber eine Rolle zu übernehmen. Im Dialog und Streitgespräch mit „Pfarrer“ Marius Merz tauschte er sich über Kirchen- und Gottesdienstverständnis aus, bis beide zur Erkenntnis der gemeinsamen Mitte in Jesus Christus kamen und eine ökumenische Version von „Ein feste Burg ist unser Gott“ anstimmten. Die vorletzte Station bildete die Stadtbibiliothek, bei der ein historisch kostümierter Bürgermeister auftrat und den Bürgermeister spielte. Mit „Luther“ (Werner Männchen) diskutierte er über das Verhältnis von Politik und Kirche, bis die Veranstaltung in der Jakobuskirche ihren Abschluss fand. Hier erklangen Worte des Reformators zur Bitte des Vaterunsers  „Vergib uns unsere Schuld – so wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Versöhnung, Deeskalation und Friedensstiftung sind Themen die auch nach fünfhundert Jahren nicht an Aktualität verloren haben.