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(Bruchköbel/jgd) – Zu neuem Anbieter wechseln? Zweifel im Parlament. Die Wellen waren in den letzten Tagen hoch geschlagen, ausgelöst durch eine Pressemeldung der Grünen: Zum Abschluss eines neuen Vertrages für die Belieferung mit Trinkwasser kam es am Dienstag in der Stadtverordnetenversammlung dann doch nur zu einer eher verhaltenen Aussprache. Hintergrund: Bürgermeister Maibach und sein Magistrat hatten den Entwurf eines neuen Wasserlieferungsvertrags mit den Kreiswerken vorgelegt. Dieser Vertrag ist ein Gemeinschaftswerk von 7 Kommunen, die damit ihre Wasserversorgung für die nächsten zwanzig Jahre regeln wollen.

Gegen das Papier waren dann die Grünen in einer Pressemeldung auf die Barrikaden gegangen (siehe letzter BK). Sie sind der Meinung, dass es jetzt möglich sein muss, eine niedrigere Wasserhärte und niedrigere Nitratwerte herauszuhandeln – wenn nötig, auch mit einem anderen Lieferanten. Bürgermeister Maibach zeigte sich auf dem Podium davon durchaus beeindruckt. Er brachte in seiner Begründung für das Vertragswerk gleich ins Spiel, dass man über das Papier in einem Ausschuss des Parlamentes noch mal beraten sollte. Maibach machte aber zugleich auch klar, dass in dem neuen Vertrag mit den Kreiswerken durchaus eine weichere Wasserqualität als Ziel genannt ist. Wörtlich heisst es dort: „Das Versorgungsunternehmen wird alles in seiner Macht stehende tun, um die Wasserhärte des abgegebenen Trinkwassers im Härtebereich ‘mittel‘ zu halten oder zu erreichen, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist.“ Die Bezeichnung „mittel“ besagt, dass die Härte des Wassers im Vergleich zu heute („hart“) herabgesetzt würde. Knackpunkt, dies zu erreichen, dürften aber laut Maibach die Kosten sein. Die beiden Brunnen bei Butterstadt und Hammersbach lieferten nun mal leider „hartes“ Wasser. Zugleich schreibe das hessische Wassergesetz vor, dass Kommunen ihr Wasser ortsnah gewinnen müssen. Der Umstieg auf einen anderen, eventuell ortsfernen Dienstleister müsse demnach nicht zwingend anderes Wasser bringen. Technisch sei es möglich, das Bruchköbeler Wasser chemisch-physikalisch zu behandeln und auf „weich“ zu trimmen – das aber habe dann eben seinen Preis, der letztlich zu steigenden Gebühren führen dürfte. Und chemisch verändertes Wasser sei möglicherweise auch nicht jedermanns Sache, wenn es zwangsweise in die Leitungen flösse und jedermann verordnet würde, vermutet der Bürgermeister.

Die Nachricht, dass der Umstieg auf ortsfernes Wasser vielleicht gar keine realistische Option sein könnte, dämpfte dann auch ein wenig die Gegenreden der Opposition. BBB-Sprecher Rabold etwa trug einerseits ein flammendes Plädoyer für weiches Wasser und für niedrige Nitratgehalte vor, konnte aber auch nicht an der Tatsache vorbei, dass der Anstieg der Nitratwerte in den letzten Jahren ein bundesweites, von der Landwirtschaft verursachtes Problem ist, das Bruchköbel alleine nicht lösen kann. Bei den anstehenden Beratungen im Ausschuss wird der Bürgermeister vermutlich Experten hinzuladen, so dass dort gezielt Fragen an Fachleute gestellt werden können.