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Begrüßung durch Herrn Schäfer

(Oberissigheim/pm) -  Zum letzten Abend der Bruchköbeler Ökumene-Reihe begrüßte Hans-Walter Schäfer die Teilnehmenden im Evangelischen Gemeindehaus Oberissigheim. Als Mitglied des Issigheimer Kirchenvorstands stellte er mit gewissem Stolz fest, dass es in diesem Jahr gelungen sei, die großen Themen von Kirche, Politik und Wirtschaft ohne externe Fachreferenten aufzubereiten. Auch Dr. Frank Kunkel (kath.) und Dr. Matthias Herget (ev.), die aus ihrer jeweiligen Sicht in das Thema des Abends einführten, sind Mitglieder von Bruchköbeler Kirchengemeinden.

Zunächst erläuterte Herget den „Sermon von dem Wucher“, verfasst von Martin Luther 1519. Der Reformator wendet sich hier gegen überhöhte Zinsen und ganz grundsätzlich gegen den Gedanken, das Geld „arbeiten zu lassen“ – weil dies nämlich bedeute, die Menschen am anderen Ende des Wohlstandsgefälles in Abhängigkeit zu bringen. Eine Kritik an Handel und Gewinnstreben ist damit nicht grundsätzlich verbunden, wohl aber wird die Frage nach Gerechtigkeit und Angemessenheit gestellt. In der anschließenden Diskussionsrunde an den Tischen ging es unter anderem darum, ob die zwischenzeitliche Entwicklung zu völlig anderen Fragestellungen geführt habe – wie es ein Teil der römisch-katholischen Gesprächspartner meinte – oder ob Luthers Grundsatzhaltung nach wie vor von aktueller Relevanz seien – so die Auffassung vieler evangelischer Teilnehmer.

Dr. Kunkel skizzierte dann Grundlinien der katholischen Soziallehre, vor allem die Prinzipien der Solidarität und Subsidiarität. Mit letzterem ist das Denken von der Basis her gemeint, also die größtmögliche Selbstständigkeit für kleinere Einheiten, in Freiheit zu Lösungen mittlerer Reichweite zu kommen. Abgelehnt wird damit der ideologische Ansatz von oben her, demzufolge ein und dieselbe Lösung für alle gut sein müsse, aber auch die Ideologie eines völlig ungeregelten Marktes, der sich seine Gesetze selber schaffe. Ähnlich wie Luther betont auch Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika „Laborem exercens“ die Unterscheidung zwischen Arbeit und Kapital. Aus Gründen der Humanität sei dafür Sorge zu tragen, das Wirtschaftssystem von der Arbeit und den sie erbringenden Menschen her zu denken, anstatt umgekehrt die Arbeit nur als Anhängsel oder Randbedingung von Kapitalgewinnen zu verstehen. Heiß diskutiert wurde abschließend das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens, für das die katholische Arbeitnehmer-Bewegung seit einigen Jahren wirbt.

Im Namen aller Gemeinden danke Hans-Walter Schäfer den Referenten, Gesprächsteilnehmern und Spendern. Der Erlös geht an die Arbeit der Telefonseelsorge Main-Kinzig, die von beiden großen Kirchen getragen wird.