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Ausschnitt aus dem Regionalplan, hier Bruchköbel. Die Markierungen zeigen auf Bauerwartungsgebiete.

Nicht alle erfreut über Oberissigheimer Baugebiet

(Bruchköbel/jgd) – Aufregung um ein neues Baugebiet im Stadtteil Oberissigheim. Am westlichen Ende zum bestehenden Areal „Am Hunsrück“ (mit den Straßen „Im Breul“, Raiffeisenstrasse“) wird wohl ein neues Baufeld entstehen. Dieses soll am Beginn des Naturschutzbereiches platziert werden, der sich von Oberissigheim aus als die beliebte und bekannte Krebsbachaue bis nach Niederissigheim hinzieht. Störche, Wildgetier, sogar ein Biber haben sich inzwischen hier eingefunden. Entsprechend sensibel reagieren jetzt Anwohner und andere Bürger auf die bekannt gewordenen Pläne.

In den „Facebook“-Foren wird das Thema bereits eifrig diskutiert. Es gibt Aussagen, dass man eine Interessengemeinschaft gründen will. Es setzt teils harte Worte, Beispiele: „Mir ist nicht verständlich, wie so nah am Naturschutz gebaut werden darf...somit wird der Lebensraum der hier ansässigen Tiere sowie die wunderschöne Landschaft zerstört!!!“ - „Man braucht nur genug Geld zu haben, dann kann man alles machen.“ - „Bin gespannt ob man uns die Kosten vom Kanal und Straße in Rechnung stellt“ - „Der Tag an dem in Bruchköbel mal gebaut wird für Menschen mit ‚kleinerem‘ Geldbeutel, feier ich.“ - Ab dem 16. Oktober bis zum 17. November liegen die Pläne im Rathaus öffentlich aus. Hier können Bürger dann auch begründete Einwände oder Vorschläge vorbringen.

Was genau ist geplant? Das Baugebiet mit dem neuen Namen „An der Nachtweide“ umfasst einen Streifen von ca. 10.000 qm. Unser Bild zeigt die Ansicht des regionalen Flächennutzungsplans, auf dem der Bereich erkennbar ist (siehe unsere Pfeilmarkierung). Dieses Flurstück ist schon seit vielen Jahren ein Bauerwartungsland, und ist in besagtem Flächennutzungsplan auch so klassifiziert. Die Stadt Bruchköbel hatte mehrere solcher Abschnitte in den Verhandlungen mit dem Rhein-Main-Planungsverband als Bauerwartungsland festgelegt (siehe im Bild die Pfeilmarkierungen). Ob und wann jeweils auf solchen Abschnitten gebaut wird, ist aber nicht immer klar. Einige Eigentümer mögen sich Zeit lassen, oder andere Absichten haben. Zuletzt waren die größeren Gebiete „Bindwiesen“ und „Peller II und III“ auf den Weg gebracht worden. Der Eigentümer des Oberissigheimer Streifens plant angeblich die Ausweisung von mehreren Grundstücken der Größe 600-700 qm. Das ist ihm im Grunde auch schon im Stadtparlament zugesagt worden, mit Beschlüssen aus der Mai-Sitzung sowie auch in der letzten Ausschuss-Sitzung zum Thema Stadtentwicklung. Die genannten Grundstücksformate waren früher gängige Grundstückgrößen. Heute gelten sie wegen der hohen Grundstückspreise beinahe als Luxus. Dennoch gibt es einen Bedarf dafür - gerade weil größere Grundstücke zur Mangelware geworden sind, gleichzeitig aber auch gut betuchte Bürger im Rhein-Main-Gebiet leben, und gezielt hier leben wollen.

Zu erkennen ist aus unserem Planausschnitt aber auch, dass der Bestand an Bauerwartungsland in der Bruchköbeler Gemarkung begrenzt ist. Das schränkt derzeit auch die Möglichkeiten ein, sozialen Wohnbau voranzubringen. Neue Möglichkeiten werden sich wohl erst wieder mit den bald anstehenden Verhandlungen um den Regionalplan ab 2020 ergeben. Der anhaltende Zuzug in das Rhein-Main-Gebiet und der fortdauernde wirtschaftliche Boom der Region dürften geradezu erzwingen, dass den Kommunen im Frankfurter Umland mehr und neue Baugebiete zugestanden werden, die sie dann entwickeln können. Dies lässt sich auch unschwer an den Absichten erkennen, die der Planungsverband des Ballungsraums Rhein-Main für die Region verkündet: Man rechnet mit weiterem Zuzug von Fachkräften, Firmen, Dienstleistern.