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Öku-Reihe II, Dülfer und Roth

(Bruchköbel / pm) – Am zweiten Abend der Bruchköbeler ökumenischen Gespräche befassten sich Mitglieder der evangelischen und katholischen Gemeinden mit der „weltlichen Obrigkeit“. So nannte Luther in einer der reformatorischen Hauptschriften die Regierungen seiner Zeit. Dr. Bernd Dülfer, Kirchenvorsteher aus Niederissigheim, stellte den Aufbau und die Grundgedanken dieser Schrift dar. Luther betont die klare Unterscheidung von weltlicher und geistlicher Macht – zu seiner Zeit keineswegs selbstverständlich -, sagt aber auch das Christen Bürger beider Machtbereiche zugleich sind.

Glaube sei nicht unmittelbarer Gegenstand von Politik, aber durch den Glauben motiviert, habe ein Christ das Recht und die Pflicht, sich ins politische Geschehen einzubringen. Luther zeigt weiterhin auf, dass in Gewissensfragen die Macht des Staates ihre Grenze findet; umgekehrt könne aber auch nicht unter Hinweis auf das Gewissen die öffentliche Ordnung ausgehebelt werden. Dülfer thematisierte auch die zeitbedingten Grenzen von Luthers Sicht und betonte, dass es heute viel weiter reichende Möglichkeiten der demokratischen Mitbestimmung gebe als im 16. Jahrhundert.

Michael Roth, Mitglied im Pfarrgemeinderat der katholischen Kirche „Erlöser der Welt“ und aktiver Kommunalpolitiker, führte dann in Grundgedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils ein. Hier erkannte die römisch-katholische Kirche die weltanschauliche und kulturelle Pluralität an und rief die Christen ihrerseits auf, zum Guten in der Welt mitzuwirken. Kontrovers diskutiert wurde im Anschluss, in welcher Form und bei welchen Themen sich Kirche öffentlich einzumischen habe. Anhand aktuell brennender Themen wie Kirchenasyl, Klimaschutz oder Umgang mit Extremisten wurde deutlich, dass simple Lösungen oft zu kurz greifen und biblische Aussagen auf Interpretation angewiesen sind. Wenn diese gelingt, können die alten Sätze der Bibel aber erstaunlich frische Einsichtden und weitreichende Leitlinien für politisches Handeln geben.

Der letzte Abend der Bruchköbler Ökumene-Gespräche wird am 5. Oktober um 20 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Oberissigheim stattfinden (Langstraße 35) – dann zur Frage des wirtschaftlichen Handelns aus chrsitlicher Sicht.