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(Bruchköbel/jgd) - Die städtische Jugendarbeit soll neu angeschoben werden. Das Stadtparlament beschloss am Dienstag auf Antrag der FDP, der seit längerem geforderten Erstellung eines neuen Jugendkonzeptes einen Schub zu geben. Hintergrund: In den letzten Jahren war die Jugendarbeit der Stadt ins Hintertreffen geraten. Der Aufwand bei der Flüchtlingsunterbringung etwa, und das Dauerthema der Innenstadtrenovierung, beides band die Kräfte in der Verwaltung und auch in der Politik. Das Jugendzentrum wurde zweckentfremdet (und soll ja auch bald der Innenstadterneuerung weichen), und Ferienspiele fanden vorzugsweise in den Nachbarorten statt.

Eine nach außen sichtbare "Jugendarbeit" war in der Stadt praktisch zum Erliegen gekommen. Die Einsicht in die Notwendigkeit eines Neuanfangs, und vielleicht auch ein bisschen das schlechte Gewissen, hatte die Parteien schon vor einiger Zeit dazu bewogen, einen Antrag auf Erstellung eines "Jugendkonzepts" zu stellen. Herausgekommen war daraufhin im Rathaus immerhin die Neubesetzung der Stelle eines Fachbereichsleiters Jugend seit April. Die Parteien pochen seither auf sichtbare Ergebnisse. Diesem Drängen verlieh am Dienstag ein Antrag der FDP Ausdruck.

Alle Fraktionen stimmten dem Antrag der kleinsten Fraktion zu, mit dem die Gründung einer "Arbeitsgemeinschaft Jugendarbeit" verlangt wird. Diese Arbeitsgemeinschaft soll aus den Mitgliedern des bereits bestehenden Ausschusses für Familie, Kultur und Soziales bestehen - in dem auch jetzt schon Vertreter der im Parlament vertretenen Parteien sitzen, und der allerdings seit Anfang 2016 noch nicht einmal getagt hat. Weiterhin soll jede Fraktion einen sachkundigen Bürger für die Arbeitsgemeinschaft benennen. Die Leitung dieser neuen "Arbeitsgemeinschaft Jugendarbeit" soll der frischgebackene Fachbereichsleiter für das Jugendressort übernehmen. Er soll zunächst den bisherigen Stand des Jugendkonzeptes vorstellen. Die Arbeitsgemeinschaft soll dann den Fachbereich bei der Weiterentwicklung der Konzeption unterstützen. Ziel ist es dann, das neue Jugendkonzept bis zum Ende des Jahres zur Beschlussreife zu bringen.

Den Antrag hatte die FDP-Stadtvorordnete Sylvia Braun vorgetragen. CDU, SPD, Grüne hatten vermutlich schon im Vorfeld Einverständnis signalisiert. Braun verzichtete in ihrem Vortrag denn auch weitgehend auf die sonst im Parlament leider so oft üblichen Seitenhiebe auf den Verwaltungs-Chef. CDU-Fraktionssprecher Thomas Sliwka nannte das Papier der FDP überschwänglich einen "sehr guten Antrag". Er gestand einige Versäumnisse der Verwaltung auf dem Feld der Jugendarbeit ein - die Innenstadtentwicklung mit dem bevorstehenden Umzug des ganzen Rathauses, und besonders die Flüchtlingskrise hätten in der Stadtverwaltung viel Kraft gebunden, und die Jugendarbeit habe hierunter gelitten.

Auch SPD-Sprecher Peter Ließmann nannte den Antrag "sympathisch". Er hofft, dass sich mit der Arbeitsgemeinschaft vielleicht sogar ein ständiges Arbeitsgremium in Sachen Jugend etablieren könnte. Der BBB wollte das Thema dann zwar noch einmal mit einem Änderungsantrag "kapern" und die Arbeit am Thema lieber doch beim Magistrat belassen - was die Absicht des Antrages dann aber wieder ad absurdum geführt hätte, politische Vertreter aus dem Parlament in die Verantwortung zu ziehen. Diesem Ansinnen erteilten die anderen Parteien aber eine Absage. Alle Fraktionen stimmten dem Antrag am Ende zu - und nahmen sich damit nun selbst in die Pflicht, wieder etwas voranzubringen mit der Jugendarbeit.