Bruchköbeler Kurier, das wollen Sie wissen.

d64f04eb6c1657f1a93af424bed3dea2.jpg

(Bruchköbel / pm) – Alle zwei Jahre veranstalten die Bruchköbeler Kirchengemeinden eine ökumenische Reihe, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der zwei großen christlichen Konfessionen zur Sprache kommen. Wurden in den vergangenen Jahren Referenten eingeladen, die miteinander ein Podiumsgespräch führten, so ging die Vorbereitungsgruppe diesmal einen anderen Weg: Von vornherein sollten sich alle Teilnehmer aktiv daran beteiligen, die Originaltexte des 16. Jahrhunderts zu verstehen und darüber ins Gespräch zu kommen. Ein ambitioniertes Unternehmen, zumal ohne große Fachkennntisse? Manche äußerten im Vorfeld Zweifel, ob so etwas gelingen könnte.

Es gelang. Dazu trug zum einen die Moderation von Sabine Broßmann bei, Kirchenvorsteherin der Evangelischen Kirchengemeinde Bruchköbel und Gastgeberin des Abends. Vor allem waren es aber zwei weitere Ehrenamtliche, Elke Hoffmann von evangelischer und Joachim Rechholz von katholischer Seite, die den Abend vorbereitet hatten. Hoffmann referierte kurz über Martin Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, mit der sich ab 1520 die Reformation in weiten Teilen Deutschlands durchzusetzen begann. Rechholz skizzierte dann die katholische Reaktion darauf in Anknüpfung und Abgrenzung. Die Thesen und Impulse beider Referenten wurden in den Tischgruppen intensiv diskutiert. Deutlich wurde, dass in wesentlichen Fragen Übereinstimmung besteht, vor allem was den Geschenk-Charakter der Gnade Gottes betrifft. Kein Mensch kann von sich aus Gottes Wohlwollen verdienen, auch mit aller Anständigkeit und Anstrengung nicht. Christlicher Glaube wird von beiden Konfessionen als Beziehungsgeschehen begriffen, nicht als Handel mit Gott.

Wie in den Gesprächen deutlich wurde, bleiben an wichtigen Punkten aber auch noch nach fünfhundert Jahren Unterschiede bestehen – so das Verständnis menschlicher Freiheit vor Gott, die Rolle der Kirche und die Auffassung von christlicher Alltagspraxis. Dennoch war eine große Bereitschaft zu spüren, voneinander zu lernen und die jeweils andere Sichtweise ernst zu nehmen.

Die nächsten Abende der Ökumenereihe finden am 12. September im Haus Shalom (Riedstr. 5) und am 5. Oktober im Evangelischen Gemeindehaus Oberissigheim (Langstr. 35) statt. Dann wird es um das Verhältnis der Konfessionen zur Politik und zum wirtschaftlichen Handeln gehen.