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Foto © privat
Romeo und Julia

(Bruchköbel/pm) - Theaterinszenierung des Lichtenberg-Oberstufengymnasiums. Liebe, Tod, Rache und das Verhalten von Menschen in Extremsituationen - so könnte man den gemeinsamen thematischen Bezug einer dreiteiligen Theaterinszenierung umschreiben, die von den Kursen ‚Darstellendes Spiel‘ der Jahrgangsstufe 12 des LOG unter der Leitung von Anastasia Drakopoulos, Julia Jilg und Benjamin Baumann dieser Tage im Bürgerhaus Bruchköbel aufgeführt wurde. Den Auftakt bildete mit William Shakespeares Trauerspiel „Romeo und Julia“ gleich ein Schwergewicht der Weltliteratur.

Die Inszenierung bot eine ganze Reihe von Regieeinfällen. Ins Auge stach zunächst eine Art Rahmenhandlung: Zwei Schülerinnen unterhalten sich über Sinn und Unsinn eines solch „alten“ Stückes, wobei eine der beiden deutliche Abneigung zeigt. Sodann erscheint der Chorus mit dem berühmten Prolog auf der Bühne („Zwei Häuser, gleich an Rang und Stand…“) und hebt gewisse sprachliche Änderungen hervor, die sich im weiteren Verlauf dann als gelegentliche, insgesamt recht moderate Modernisierungen entpuppen. Auch die Inszenierung selbst wies solche Elemente auf, wenn etwa das Fest der Capulets als wilde Tanzparty erscheint oder auch bei anderen Gelegenheiten gelegentlich Popmusik zu hören ist. In rascher, stets dynamischer Szenenfolge spielt sich dann die bekannte Handlung ab, immer wieder kommentiert von den beiden Schülerinnen, die sich zunehmend von der doch nicht so veralteten Handlung mitreißen lassen, bis es ihnen schließlich zu viel wird: Am Ende drücken sie die Rückspultaste, und Romeo und Julia dürfen ausnahmsweise überleben und gemeinsam glücklich werden.

Nach der Pause folgte ein moderner Klassiker: Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“. Die Handlung um die an ihrem Heimatdorf Güllen und ihrem früheren Geliebten und Peiniger Alfred Ill Rache nehmende Milliardärin Claire Zachanassian setzt mit der monoton, sich wiederholenden Aufforderung „1 Milliarde für Gerechtigkeit, tötet Alfred Ill!“ ein, während sich der Vorhang hebt und den Blick auf die Dorfgemeinde freigibt. Zwar freut diese sich über die in Aussicht gestellte, dringend benötigte Finanzspritze, doch weist sie Claires Bedingung, dafür Ill zu töten, zunächst empört zurück. In der dichten, oft beklemmenden Inszenierung mutiert die Gemeinde sodann gewissermaßen zum Hauptakteur, etwa, wenn sie Ill am Bahnhof umzingelt und ihn, trotz gegenteiliger Beteuerung, an der Abreise hindert. Immer bedrohlicher wirkt auf Ill ihr hemmungsloses Konsumverhalten (auf der Bühne bleibt reichlich Abfall zurück) und die damit verbundene Verschuldung, die unweigerlich seinen Tod zur Folge haben werden und an denen sich alle -sogar Bürgermeister, Pfarrer und Schullehrer- beteiligen, bis schließlich auf der Gemeindeversammlung das moralisch nur notdürftig bemäntelte Todesurteil gefällt wird.

Den Abschluss bildete mit „Irgendwo im Nirgendwo“ eine Eigenproduktion der mitwirkenden Schülerinnen und Schüler. Die Handlung des des eigens für den Abend verfassten Stückes setzt ganz unvermittelt mit der Notlandung eines Ferienfliegers auf einer einsamen Insel und dem anschließenden Chaos unter den Flugreisenden ein. Nachdem die Unversehrtheit aller Reisenden von einer Stewardess festgestellt und durch eine anwesende Ärztin auch die medizinische Versorgung sichergestellt wird, entfalten sich in einer bunten Szenenfolge die mehr oder weniger schwierigen Charaktere: drei Damen, die in erster Linie an Lifestyle und dem nächsten ‚Coffee to go‘ interessiert sind, zwei Nachwuchsfußballer, ein junger Frankfurter, dessen Vogelphobie seltsam korrespondiert mit der Abneigung eines Rechtsradikalen gegenüber den anwesenden „Ausländern“, ein Mann, der sich in dieser Situation schnell zum Führer berufen fühlt (und von dem Rechtsradikalen sogleich verehrt wird) und schließlich noch ein blinder Passagier - sie alle stolpern eher von Situation zu Situation, und der Zuschauer muss unwillkürlich an William Goldings „Herr der Fliegen“ denken, bei dem eine ähnliche Ausgangssituation buchstäblich in Mord und Totschlag endet. Jedoch bleibt den Beteiligten hier ein tragischer Ausgang erspart. Die Insel erweist sich nämlich schnell als bewohnt: Der nächste Ferienclub befindet sich am anderen Ende der Bucht.      

Das zahlreich im Bürgerhaus erschienene Publikum dankte den Aufführenden für ihren professionellen und beeindruckenden Theaterabend mit lang anhaltendem Applaus. Für die Aufführenden und Kursleiterinnen und -leiter gab es Dankesworte und Blumen für ihren Einsatz.