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100 Jahre Kita Regenbogen

1917 - 2017: Jubiläum gefeiert

(Bruchköbel/jgd) - Ein großes, sonniges Jubiläumsfest mit anrührenden Momenten: Kinder, Eltern und viele "Ehemalige" waren am Sonntag zum 100-Jahr-Jubiläum der Evangelischen Kindertagesstätte "Regenbogen" gekommen. Im Rahmen der Kirchenandacht hatten Kinder zunächst ein Stück zum Lutherjahr aufgeführt. Danach war man in einem bunten Zug zum Gelände der KiTa gezogen, wo Attraktionen vorbereitet waren. Bei manchen der älteren Gäste wurden da Erinnerungen wach.

Denn einen Umzug in das neue Kindergartengebäude auf der Hauptstraße, damals mit Kind, Kegel und Feuerwehrkapelle, hatte es ja schon einmal gegeben - im Jahr 1959, dem Jahr des Neubaues des Kindergartens am heutigen Standort Hainstraße. Eigentlich aber hatte es die "Evangelische Kleinkinderschule" bereits seit dem Kriegsjahr 1917 gegeben, zunächst im Gemeindehaus der Kirche beheimatet. Die Frauenhilfe der ev. Kirche arbeitete damals beharrlich für den Betrieb dieses ersten Kindergartens.

Die Zeiten sollten aber schwieriger werden. Im Jahr 1936 stellte die politische Gemeinde eine Schwester der "Nationalsozialistischen Wohlfahrt" ein. Die Frauenhilfe war jetzt auf sich alleine gestellt in ihrem Bemühen, die kirchliche Kleinkinderschule aufrecht zu erhalten. Im Kriegsjahr 1941 übernahm die sogenannte "Volkswohlfahrt" des NS-Regimes das Regiment. Sie verfrachtete die Kinder als "N.S.V.-Kindergarten" in die alte Schule. Die Kindergartenarbeit der evangelischen Kirche musste ruhen. Im Jahr Kriegsendes, am 11. Juni 1945, konnte der Kindergarten wieder unter evangelischer Trägerschaft eröffnet werden. Es folgten die schwierigen Nachkriegsjahre, mit Not und kalten Wintern. Im Jahr 1956 begannen die Diskussionen um den nötigen Neubau eines Kindergartens. Drei Jahre später, 1959, konnte man die feierliche Einweihung begehen. Das war damals ein außerordentliches kommunales Ereignis. Alte Fotos zeigen hunderte nobel gekleideter Festgästen, die auf ordentlichen Stuhlreihen den Redebeiträgen der vielen prominenten Redner aus Politik und Kirche lauschten - darunter der damalige Pfarrer Münch, in dessen Amtszeit der Bau des neuen Kindergartens gelang, und der damalige Bürgermeister Fritz Horst. Die alten Bilder ziehen den Betrachter hinein in die damalige Stimmung, die von Hoffnung auf bessere Zeiten geprägt gewesen sein muss, nach den Jahren der Unsicherheiten und des Krieges. Den Kindern nun ein Haus gebaut zu haben, war in diesem Sinne eine symbolische Tat. Es ging aufwärts. Als dem damals noch kleinen Bruchköbel schon bald die große Kirlesiedlung hinzuwuchs, mit Neubürgern und vielen, vielen Kindern, war abzusehen, dass die Einrichtung in der Hainstrasse noch an Bedeutung gewinnen würde.

Der neue Kindergarten war ein modern geschnittener Bau, zunächst mit nur einem Gruppenraum. Erst 1981 fand die längst fällige erste bauliche Erweiterung statt; und im Jahr 1994 wurde das gesamte Gebäude nochmals im verspielt wirkenden Baustil des Bruchköbeler Architekten Peter Schmidt erweitert. Teile des großen Pfarrgartens sind inzwischen zu Kindergartengelände geworden. Markant sind auch immer noch die beiden großen Sandkästen im Innenhof. Weiteres Spielgerät kam über die Jahre hinzu. - Beim Fest am letzten Sonntag konnten die Besucher in den alten Fotoalben blättern, und manche(r) entdeckte sich auf den alten Aufnahmen wieder. Zur Legende geworden ist etwa die langjährige Leiterin und Gründungskindergärtnerin "Tante Ilse" Galgan, die den Kindergarten mit energischem Schwung führte. In den 50ern, 60ern fand die Erziehung der Kleinen in der damals üblichen vollen Bandbreite statt: Freundliche Worte wie auch die berüchtigte "Ohrfeige" waren übliche erzieherische Mittel. Bilder aus späteren Jahren lassen die allmählichen Veränderungen im Zeitgeist erkennen. So wurden etwa Projekte rund um die Natur zum Thema, ein "Waldtag" zum Beispiel. Der Bau einer Weidenhütte oder eines Hochbeetes und andere Projekte wurden zu tage- und wochenlangen, innovativen Vorhaben. Und in dem Musical "Es fährt ein großes Schiff" des Bruchköbeler Musikers Hans-Peter Lamp spielten die Kinder der Kita Ende der 90er sogar eine herausragende Bühnenrolle bei einer musikalischen Reise um die Welt.