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Women's March

Kundgebung auf dem Freien Platz gut besucht

(Bruchköbel/jgd) - Deutliche Worte und engagierte Reden bei der Kundgebung zum Ostermarsch am Karfreitag: Mit der amerikanischen Bürgerrechts-Aktivistin Cassady Fendlay hatte die "Friedensplattform Hanau" zur Auftaktkundgebung auf dem Freien Platz diesmal echte internationale Prominenz nach Hanau holen können. Fendlay war am folgenden Ostermontag auch eine der Hauptrednerinnen bei der Abschlusskundgebung auf dem Frankfurter Römerberg. Sie hat in den USA mit anderen Frauen zum Anlass der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump eine staatenweite Protestbewegung organisiert, die viel Aufmerksamkeit bekam.

Fendlay war an vorderer Stelle für die Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der mit "Women's March" betitelten Massendemonstrationen zuständig. Zu dieser waren alleine in Washington über eine halbe Million Menschen zusammen gekommen.

So viele waren es am Karfreitag auf dem Freien Platz zwar nicht. Aber die Veranstalter konnten eine Steigerung gegenüber manchen Vorjahren feststellen; rund 250 Personen hörten aufmerksam den Ansprachen zu. Sie begaben sich anschließend auf den kurzen "Ostermarsch" in Richtung des Grillplatzes "Dicke Eiche", wo man wie immer ein Abschlussfest feierte.

Cassady Fendlay war als Anfangessprecherin eine Rednerin der eher gemäßigten Worte. Die Übersetzung ihrer auf englisch gehaltenen Rede besorgte Doris Werder von der Hanauer "Friedensplattform". Fendlay betonte, dass im Angesicht der fortwährenden Kriege und Fluchtbewegungen auf der Welt eine neue Politik des Ausgleichs ("Balancing") und der politischen Führung ("Leadership") nötig sei.

Zwei weitere Ansprachen gingen dann politisch ziemlich hart zur Sache. Der aus dem Jemen stammende Ali Al Dailami, migrationspolitischer Sprecher der Partie "Die Linke", beschrieb in einer geschliffenen und immer wieder durch viel Beifall unterbrochenen Rede die aktuellen Krisen- und Kriegsherde in der Welt. Diese seien im Wesentlichen das Ergebnis einer von autoritären Regimes und dem unheiligen Einfluss der US-amerikanischen Politik geprägten Entwicklung. Im Irak, in Libyen und Syrien habe man mit einer Politik des von außen angetriebenen Machtwechsels ("Regime Change") versucht, die dortigen Herrscher zu vertreiben. Alleine im Irak seien seither eine Million Menschen gestorben. Der Staat Libyen sei zerfallen, in Syrien tobt ein Bürgerkrieg. In der ganzen Region habe die Unsicherheit um sich gegriffen, Fluchtbewegungen seien im Gange. Doch weiterhin unterstütze der Westen einige Kriegsparteien und auch etwa Staaten wie Saudi-Arabien durch Waffenlieferungen. Eine Grundursache der Unsicherheiten sei der weltweite Kapitalismus, der "den Krieg in sich trage wie eine Wolke den Regen", deutete Dalami am Ende die aus seiner politischen Sicht nötige globale Lösung des Problems an. - Die Geschäftsführerin des DGB Osthessen betonte in einer weiteren kämpferischen Ansprache dieses Nachmittags, dass der Schulterschluss zwischen Gewerkschaften und Friedensbewegung unbedingt nötig sei. Alleine die Gewerkschaften seien in der Lage, die arbeitende Bevölkerung zu erreichen und deren gemeinsame Interessen mit der Friedensbewegung zu bündeln. Die Welt sei im Aufruhr, die täglichen Bilder in den Medien kaum mehr erträglich. Es gehe folglich darum, nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen der Menschen zu erreichen - womit Eiffler einen Bogen spannte, zurück zu den einleitenden Worten der eher bedächtig formulierenden Amerikanerin Fendlay: "Unsere großen Stärken sind das Mitgefühl und ein soziales Gewissen", hatte die Aktivistin und Feministin zu Beginn der Veranstaltung betont.