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 Haingarten-Gespräche

 Hilfe für Eltern im digitalen Zeitalter

(Bruchköbel/pm) - „Ich hätte Frau Pagin noch eine Stunde länger zuhören können. Die zweieinhalb Stunden vergingen für mich wie im Fluge“, so lautete einhellig das Votum der über 100 Eltern, die den Themenabend Medienerziehung der Haingarten-Schule besuchten. Initiiert wurde dieser Abend durch den Schulelternbeiratsvorsitzenden Alexander Happel und die ehemalige Vizevorsitzende Stephanie Bösch in Kooperation mit dem Förderverein der Haingarten-Schule, der die Haingarten-Gespräche seit Jahren ausrichtet und diese sowohl ideell als auch finanziell unterstützt.

Schulleiter Matthias Doebel begrüßte sichtlich erfreut die große Elternschaft der Jahrgänge 2 bis 4. „In kaum einem Bereich wird Licht und Schatten so deutlich wie im Bereich der digitalen Medien. Auf der einen Seite erhalten wir in Sekundenschnelle Informationen, auf der anderen Seite droht Mediensucht und zum Teil verbale Barbarei in den sozialen Netzwerken und das bereits schon in unseren Grundschulklassen“, so der Schulleiter. „Ein Grund für den Schulelternbeirat, Eltern für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren und sie in Erziehungsaufgaben zu unterstützen, denn mittlerweile ist ein Computer, mit dem man auch telefonieren kann, für jedermann erschwinglich und schon in den Hosentaschen der Zweitklässler“, führte Alexander Happel weiter aus. Der Medienpädagogin Alia Pagin, Referentin der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität Frankfurt, gelang es im Anschluss, die Eltern zu fesseln und zu begeistern.

Zu Beginn machte sie klar, dass es leider kein goldenes Regelwerk gebe, das grundsätzlich für jedes Kind anwendbar sei. Dennoch hätten sich einige Aspekte in der Medienerziehung bewährt. Zuerst zum Beispiel die Vorbildrolle der Eltern. „Hiermit mache ich mir zu Beginn der Info-Abende erst einmal wenig Freunde“, so die Referentin, „man kann den Kindern das Handy schlecht verbieten, wenn man es selbst ständig in der Hand hat.“ Darüber hinaus riet sie den Eltern, die Medieninhalte zu prüfen, die Kinder in ihrem Medienverhalten zu begleiten und über die Mediennutzung mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Auch Vertrauen in das Kind sei eine unabdingbare Voraussetzung, dass sich das Kind, wenn es einmal mit „schwer verdaubaren Inhalten“ in Berührung gekommen sei, an die Eltern wende.

Im Anschluss daran beleuchtete sie ohne erhobenen Zeigefinger die entwicklungspsychologische Dimension der Mediennutzung. Sie machte klar, dass sich am Grundbedürfnis nach Kommunikation, Kontaktaufnahme, Zugehörigkeitsgefühl, Selbstdarstellung und Anerkennung eigentlich nichts geändert habe. Der Rahmen, die Möglichkeiten seien nun einfach andere. Was früher die „Bravo“ und die drei Fernsehprogramme gewesen seien, sei heute das World Wide Web mit allen technischen Mitteln. „Wichtig ist es aber, sich klar zu machen, dass das Internet wie eine offene Straße ist. Alles ist sichtbar. Ist ein Foto erst einmal im Netz, bleibt es da auch“, so die Referentin. „Oft frage ich die Kinder: Wenn ich dich jetzt auf der offenen Straße ansprechen und sagen würde: Oh du siehst aber süß aus und trägst aber eine tolle Kappe, wie sie dann reagieren würden.“ Einhellig sei die Antwort der Kinder, dass sie den Kopf schütteln und weitergehen würden, weil sie ja eine Fremde sei. Im Netz aber würden sich die Kinder anders verhalten, weil sie glaubten, dass sie sich in einem geschützten Raum befänden. „Das dem nicht so ist, dass sie sich im Internet wie auf einer offenen Straße befinden, das muss den Kindern zentral vermittelt werden“, so die Medienpädagogin.

In diesem Kontext gab sie den Familien Tipps an die Hand, sich nur mit Menschen zu vernetzen, die man persönlich kenne, sich zweimal zu überlegen, welche persönlichen Daten in das Netz kommen und dort bleiben sollen und bei der Ansprache von fremden Leuten NIEMALS zu reagieren. Unterstrichen wurde der Vortrag durch fachwissenschaftliche Daten, frappierende Erkenntnisse und aufrüttelnde Fragen wie: „Wer bezahlt eigentlich Google und andere Suchmaschinen?“ Antwort: „Wir mit unseren persönlichen Daten!“ Im Anschluss an den informativen Vortrag appellierte der Kassierer des Fördervereins, Robert Hess, dem Förderverein der Haingarten-Schule beizutreten, sodass auch künftig solche bemerkenswerten Infoabende stattfinden können.